Begrüßung

Dr. Helge Mutschler
Apostel im südöstlichen Bereich Niedersachsen

Liebe Leserin, lieber Leser,

die erste nachgewiesene Erwähnung jüdischer Mitbürger in Deutschland ist 1.700 Jahre alt: Am 11. Dezember 321 hatte der römische Kaiser Konstantin die Stadtoberen in Köln angewiesen, Juden Bürgerrechte einzuräumen. Im Jahr 2021 soll mit einem bundesweiten deutsch-jüdischen Festjahr dieses Jubiläums gedacht werden. Dazu wurde ein ökumenisches Projekt entwickelt, das die engen Verbindungen zwischen Judentum und Christentum bewusst machen soll. Es trägt den Titel: #beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst.

Auch die Neuapostolische Kirche beteiligt sich mit Gemeinden im südlichen Niedersachsen aktiv an diesem Projekt. Unsere Beteiligung soll dazu beitragen, Wissen über das Judentum in den Gemeinden zu vermitteln und Vorurteile abzubauen. Denn ohne das Verständnis des Judentums ist es schwer, die Entwicklung des Christentums zu verstehen. Mit diesem Weiterbildungsangebot sollen Grundkenntnisse über das Judentum vermittelt werden. Es richtet sich zunächst an Lehrerinnen und Lehrer sowie Amtsträger in meinem Arbeitsbereich. Das Angebot soll jedoch auch für andere Interessierte zugänglich sein.

Die Neuapostolische Kirche begrüßt die ökumenische Bewegung, die unter dem Leitmotiv „Einheit in versöhnter Verschiedenheit unter Wahrung der Identität der jeweiligen Kirche“ auf dem Weg hin zur Einheit in Christus ist. Seit einiger Zeit ist sie Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland. Bei der ökumenischen Bewegung geht es unter Wahrung des jeweiligen Selbstverständnisses um eine „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“. Wesentliche Gesprächsgrundlage innerhalb der Ökumene ist die Charta Oecumenica. Dort heißt es: „Eine einzigartige Gemeinschaft verbindet uns mit dem Volk Israel, mit dem Gott einen ewigen Bund geschlossen hat. Im Glauben wissen wir, dass unsere jüdischen Schwestern und Brüder von Gott geliebt sind, und das um der Väter willen. Denn unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt.“

In diesem Sinne mögen durch die Aktionen im Jubiläumsjahr viele Impulse für einen guten christlich-jüdischen Dialog ausgehen! Wir wünschen dem Projekt viel Erfolg und Gottes Segen!

Helge Mutschler

Dank

Prof.in Dr. Ursula Rudnick ist Pastorin und verantwortlich für den Arbeitsbereich Kirche und Judentum in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Sie ist eine der beiden verantwortlichen Initiatorinnen des ökumenischen Projekts #beziehungsweise: jüdisch und  christlich – näher als du denkst in Niedersachsen. Dr. Gábor Lengyel ist Rabbiner in der jüdischen liberalen Gemeinde in Hannover und berät aus jüdischer Sicht die Projektleitung. Beide haben sich die Zeit genommen, die Entwürfe der hier veröffentlichten Texte zu lesen und Korrekturhinweise zu geben. Herzlichen Dank dafür! Damit wurde auch die Sicherheit vermittelt, dass die Inhalte objektiv und ohne einseitige Bewertungen aus christlicher Sicht dargestellt wurden.

Der Titel eines Buches, das Ursula Rudnick im Jahr 2004 veröffentlichte, lautet: „Auf dem langen Weg zum Haus des Nachbarn“. Das Buch beschreibt die Entwicklung des christlich-jüdischen Verhältnisses in Deutschland seit 1945. Mit dem Bild des Buchtitels: Wenn wir uns nun gemeinsam auf diesen Weg machen, werden wir feststellen, dass der Weg gar nicht mehr so lang ist. Die Steine liegen hauptsächlich nur noch im eigenen Vorgarten. Der weitere Weg ist inzwischen von vielen engagierten Christen und Juden geebnet worden. Wir werden auf diesem ökumenischen Weg nicht nur Nachbarn, sondern Schwestern und Brüder und vielleicht sogar Freundinnen und Freunde finden.

Frank Preusse

Bezirksältester i.R. Frank Preusse ist der Verfasser der Texte auf dieser Website und Sprecher in den Erklärvideos.

Kampagne

Die ökumenisch verantwortete Kampagne „#beziehungsweise –jüdisch und christlich: näher als du denkst“ möchte dazu anregen, die enge Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum wahrzunehmen. Auch und gerade im Blick auf die Feste wird die Verwurzelung des Christentums im Judentum deutlich. Mit dem Stichwort „beziehungsweise“ soll der Blick auf die aktuell gelebte jüdische Praxis in ihrer vielfältigen Ausprägung gelenkt werden. Die Kampagne ist ein Beitrag zum Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.

Wir sind uns bewusst: Die Betonung der Nähe ist nur unter Wahrung der Würde der Differenz möglich. Deshalb halten wir es für unverzichtbar, die Bezugnahmen auf das Judentum in christlichen Kontexten auch kritisch zu hinterfragen, Vereinnahmungstendenzen zu erkennen und zu vermeiden.

Aktuell finden wir uns dabei in einer gesellschaftlichen Situation wieder, die durch ein Erstarken von Antisemitismus und weiterer Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit geprägt ist. Übergriffe gegen jüdische Bürger*innen, Hetze und Verschwörungsmythen in den Sozialen Medien nehmen weiterhin zu.

In einer respektvollen Bezugnahme auf das Judentum, die zur positiven Auseinandersetzung mit der Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland anregt, will die Kampagne auch einen Beitrag zur Bekämpfung des Antisemitismus leisten.

Stimmen

„… Die Plakatkampagne #beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst begrüßt der Zentralrat der Juden sehr. Dass ausgehend von einer Initiative der EKBO nun eine ökumenische Kampagne mit bundesweitem Charakter entstanden ist, die Antisemitismus und dessen christliche Wurzeln durch Plakate thematisieren will, verdient Anerkennung.

Es freut uns zu hören, dass die Kampagne die Gemeinsamkeiten zwischen Juden und Christen, aber auch die Unterschiede in den Blick rücken will. Eine derart niedrigschwellige Kampagne kann sicherlich dazu beitragen, die Sensibilität in der Gesellschaft für Antisemitismus und das Wissen darüber sowie über das christlich-jüdische Verhältnis zu vergrößern. Wir hoffen, dass die Kampagne weite Verbreitung findet“.

Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland

Quelle: www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de